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Langfristig planen – nachhaltig denken

Gebäude zählen zu den langlebigsten Produkten überhaupt. Mit einer Bau- oder Sanierungsmaßnahme bestimmt man den Zustand der nächsten 25 bis 30 Jahre. Um vor allem die Folgekosten möglichst gering zu halten, ist ein Zusammenspiel aller Baubeteiligten notwendig, also eine integrale Planung und ein gewerkeübergreifendes Denken.

Lebenszykluskosten

Zur langfristigen Bewertung der Kosten von Produkten, also auch von Gebäuden sollten die Lebenszykluskosten herangezogen werden:

  • Die Lebenszykluskosten eines Gebäudes – von der Planung, über die Errichtung, den Betrieb und die Instandhaltung bis hin zum Abriss und Recycling – können mit der Methode des Life-Cycle-Costing erfasst werden.
  • Mit 70-85 % machen die Nutzungskosten einen Großteil der Gesamtkosten eines Gebäudes aus und spielen deshalb eine zentrale Rolle bei der Lebenszykluskostenrechnung.
  • Individuelles Nutzerverhalten, unvorhersehbare Entwicklungen und kurzzeitige Markttrends stellen Herausforderungen bei der Berechnung der Betriebs- und Instandhaltungskosten dar.

Energiebedarf nachhaltig senken

Im Privathaushalt werden vorwiegend drei Energieformen benötigt: Wärme für Heizung und Warmwasser, Strom für elektrische Haushaltsgeräte und Kraftstoff für die Mobilität mit dem Auto oder Zweirad. Neben ökologischen Aspekten rücken auch ökonomische Fragen bei der Nutzung dieser drei Energieformen immer mehr in den Blick.

Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt muss rund 330 Ä monatlich für Strom (26 %), Heizöl (33 %) und Benzin (41 %) aufbringen. Nicht selten steigen die Kosten während der Lebensdauer einer Heizungsanlage (ähnlich dem PKW) von ca. 20 Jahren um den Faktor 2 an und belasten die Haushalte zunehmend finanziell.

Vor diesem Hintergrund gilt es, mit Energie sparsam und effizient umzugehen. Effizienzlabels und Effizienzklassen helfen z. B. beim Kauf von elektrischen Geräten auf einen niedrigen Stromverbrauch zu achten. Auch bei Gebäuden stehen mit dem Gebäude-energieausweis und gängigen Energiestandards klare Richtwerte für die Beurteilung der energetischen Gebäudequalität zur Verfügung. Mittlerweile werden auch Heiz-systeme nach Effizienzklassen eingeteilt. Doch vor allem bei diesem Label ist Vorsicht geboten. Zudem ist die Energieeffizienz eines Gebäudes von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und eine energetische Sanierung häufig ein großes Vorhaben. Deshalb wird beim Gebäudeneubau oder -kauf, bei einer energetischen Sanierung wie auch beim Heizsystem eine Energieberatung dringend empfohlen.

Beim Auto steht zwar ein CO2-Effizienzklassen-Label zur Verfügung, allerdings wird darin das Gewicht berücksichtigt, sodass selbst ein SUV einen guten Wert erreichen kann. Grundsätzlich sollte auf einen niedrigen Energie- bzw. Spritverbrauch geachtet werden.

Während bei Strom und Heizung nachhaltigere Alternativen zur Verfügung stehen – z. B. über selbst erzeugten Sonnenstrom, Heizen mit Holz, Sonnenwärme oder Geothermie – handelt es sich bei Bio-Kraftstoffen aus Perspektive der Nachhaltigkeit derzeit um unausgereifte und teilweise kritische Produkte. Die Elektromobilität (Batterie und Wasserstoff) könnte hierzu zukünftig zwar in Ansätzen eine Lösung darstellen, wirklich nachhaltig ist ein Auto, insbesondere das eigene, aber per se nicht. Auch ökonomisch betrachtet, ist der Besitz eines eigenen Autos, bei Fahrleistungen unter 10.000 km pro Jahr nicht sinnvoll, sofern ausreichende alternative Mobilitätsangebote bestehen oder ein Fahrrad ausreicht.

Sonnenenergie durch Sektorenkopplung intelligent nutzen

Der heute immer öfter diskutierte Begriff der Sektorenkopplung – also die gemeinsame Betrachtung der Bereiche Strom, Wärme und Mobilität mit dem Ziel, Synergien zur Steigerung der Effizienz zu nutzen – wird schon seit einigen Jahrzehnten praktisch umgesetzt, nämlich wenn Strom zur Wärmeerzeugung genutzt wird („Power to heat“), etwa bei der Nutzung von Nachtspeicheröfen, Elektroboilern oder Durchlauferhitzern. Deutlich effizienter lässt sich Strom mittels Wärmepumpe zum Heizen und zur Warmwasserbereitung einsetzen, da diese dafür zum Großteil Umweltwärme verwertet und der Strom idealerweise als Hilfsenergie dient. Umgekehrt gibt es auch stromerzeugende Heizsysteme, wie das motorische Blockheizkraftwerk und die Brennstoffzelle.

Die Nutzung von Strom zu Mobilitätszwecken im Individualbereich ist hingegen noch ein recht junges Thema, ganz im Gegensatz zum öffentlichen Verkehr, etwa im schienengebundenen Verkehr. Durch Elektro-Fahrzeuge wie E-Auto, E-Roller, (S-)Pedelec usw. kann Strom neben der Wärmeerzeugung nun auch als Kraftstoff dienen. Die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität sollten folglich auch im privaten Bereich im Verbund betrachtet werden.

Ökologisch interessant wird die Sektorenkopplung vor allem durch die regenerative Stromerzeugung („grüner Kraftstoff“ und „grüner Brennstoff“), beispielsweise mittels Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach. Aufgrund der stark gesunkenen Einspeisevergütung einerseits und der stark gesunkenen Photovoltaik-Anlagen-Kosten andererseits hat insbesondere die Eigenstromnutzung in den letzten Jahren zunehmend an wirtschaftlicher Attraktivität gewonnen. Beim Stromeinsatz in Kühlschrank und Co. wird schnell ersichtlich, dass der eigenerzeugte PV-Strom für 10 bis 15 ct. pro Kilowattstunde günstiger ist als der Strom vom Versorger für rund 30 ct.

Rechenbeispiele

Etwas komplizierter zeigt sich der Sachverhalt bei Mobilität und Wärme. Sofern das Elektroauto bei ausreichendem Sonnenschein zu Hause steht und mit Sonnenstrom geladen werden kann, sinken auch die Mobilitätskosten pro Kilometer. Kleinere Elektroautos benötigen für eine Fahrleistung von 100 km etwa 15 kWh elektrische Energie, sodass sich für diese Fahrleistung mit PV-Strom (0,12 €/kWh) Kosten von 1,80 € ergeben. Mit Strom aus dem Netz steigen die Kosten allerdings auf 4,50 € an. Dagegen schlägt der Benziner 
(6 l/100 km, 1,40 €/l Benzin in 08/2018) mit 8,40 € zu Buche.

Wird mittels Wärmepumpe geheizt, kann man prinzipiell ebenfalls vom günstigen PV-Strom profitieren, allerdings nur, wenn die Sonne in der Übergangszeit und teilweise im Winter ausreichend scheint. Auch für diesen Zweck sollte die PV-Anlage eher groß dimensioniert sein, zumal der vor allem im Sommer überschüssige Strom dann eingespeist und nach wie vor über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet wird. An einem klaren, sonnigen Wintertag ließe sich also mit einer mit PV-Strom (0,12 €/kWh) betriebenen Wärmepumpe (Annahme: Luft-Wärmepumpe, Arbeitszahl von 2,5 (nicht Jahresarbeitszahl, JAZ)) die Wärme zum Preis von 4,8 ct. pro Kilowattstunde erzeugen. Hinzu kommen natürlich Fixkosten durch Anschaffung, Wartung etc. Letztere wären aber wiederum auch bei einem Brennwertkessel zu zahlen. Des Weiteren müssen die Rahmenbedingungen im Gebäude zur Nutzung einer Wärmepumpe gegeben sein. Im Altbau kann das durch eine Modernisierung der Gebäudehülle erreicht werden.

Zu diesem Thema können Sie auch die Energiesystemberatung des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt in Anspruch nehmen.